Kauen - deine Basis




Kauen ist ein Vorgang, d en wir normalerweise gar nicht so richtig wahrnehmen denn: wir haben ja Hunger und das Essen muss rein! 

So ging es mir lange Zeit , und ich habe tatsächlich nie über das "Kauen" nachgedacht, mich aber phasenweise gewundert warum meine Verdauungsprobleme nicht besser wurden. 

Vor einiger Zeit gab es eine Zeit in meinem Leben, in der meine Verdauung in jeder Hinsicht gestreikt hat.
Ich überlegte und überlegte ...was die Ursache sein könnte. Sicherlich kennst du das auch, wenn du eigentlich alles gegessen hast (was du normalerweise auch isst)  - aber irgendwie kriegst du es gerade nicht“ verdaut“. Blähungen und Durchfälle entstehen, und du verstehst die Welt  nicht mehr.

Ja, ich wusste, ich hatte gerade sehr viel Stress, und rannte den ganzen Tag wie ein aufgedrehtes Eichhörnchen, ohne innerlich so richtig zur Ruhe zu kommen . Essen war in dieser Zeit zur Nebensache geworden  - natürlich, gesund musste es sein, aber sollte in erster Linie einfach satt machen. Ich neigte zum Überessen. 

Ich wusste, es hat definitiv mit meinem Stress zu tun und letztendlich war es vermutlich die Art "wie ich meine Lebensmittel zu mir nahm" -  nämlich zu schnell und viel zu hastig - die meinen von Geburt an empfindlichen Magen-Darm -Trakt durcheinandergebracht hat. 

Bewusst kauen… ja da war mal etwas ...aber wie ging das nochmal? 

Es ist sehr wichtig zu wissen, dass Kauen tatsächlich der erste Schritt der Verdauung ist.

Dein Mund ist quasi dein "Vor"-Magen.

Das hat folgenden Grund: In unserem Speichel befinden sich viele wichtige Enzyme, Mineralien und Proteine, die unsere Mund- und Speiseröhrengesundheit aufrechterhalten.

Sie bilden ein sogenanntes Milieu, so wie sehr viele Organe in unserem Körper ein Milieu haben (vom Darm Mileu bzw. Mikrobiom hast du sicherlich schon gehört, aber auch die Blase, Haut usw. haben ihr eigenes Milieu)

In diesem Milieu leben Mundbakterien die bestimmte Aufgaben haben. 

Warum dieses Milieu, unserer Mundbakterien so wichtig sind, erfährst du an späterer Stelle - es ist eine wesentliche Basis zu einer gesunden Verdauung.

In dem Moment, in dem das  Lebensmittel in deinem Mund eintrifft nimmt der Speichelfluss zu. Schon der Gedanke an bestimmte Lebensmittel oder der Anblick, zum Beispiel von Erdbeeren, oder Kakao, kann diesen Speichelfluss auslösen. Kommt das Lebensmittel nun in den Mund wird jetzt beim Kauen das Lebensmittel mit dem Speichel vermengt, und möglichst zu einem Brei sehr fein zermahlen. Dabei gehen nun obg. Enzyme in den Speisebrei über, die die Verdauung in den weiteren Organen extrem erleichtern. 

Vor allem die sog. Speichelamylase die, die komplexen Kohlenhydrate  (sogenannte Oligo- und Polysaccharide) in Brot oder Nudeln, also kleinere Bausteine bis hin zu einfachen Zuckermolekülen  (Disaccharide) zerlegt, spielt hier eine wesentliche Rolle. 

Wichtig: Wenn die Speichelamylase in deinem Speisebrei fehlt oder nicht ausreicht, übernehmen im weiteren Verlauf Darmbakerien die Spaltung der Kohlehydrate, was zu Blähungen und Gasen führt!

Lange gekauter und zermahlener Speisebrei kann nun sehr viel leichter im Magen und vor allem im Dünndarm aufgenommen und verstoffwechselt werden. 

Gleichzeitig werden die obengenannten Mundbakterien, die dort als „Mundmikrobiom“ leben, unter die Speise gemengt, die ebenfalls im späteren Verlauf der Verdauung, ganz besonders im Dünndarm dabei helfen, das Lebensmittel richtig und möglichst ohne "Symptome/Probleme" zu verdauen.


Wenn nun das Essen nicht richtig gekaut wird- das heißt zu kurz und mit zu wenig Speichel vermengt  - kommt die Nahrung als unzerkaute Brocken-teile im Magen an, und hier können nundie sogenannten Magensäfte nur unvollständig einwirken. 
 

Unsere Magensäfte, die Magensäure sollte jedoch so effektiv wie möglich arbeiten können - denn sie hat die Aufgabe Eiweiße zu spalten,  so dass sie im Darm gut aufgenommen werden können. 

Eine mangelhafte Eiweiß-Verdauung im Magen kann dann wiederum zu Symptomen im Darm führen (auch hier wieder: Blähungen, Durchfälle, Gasbildungen…), da sich nun die Eiweiß-spaltenden Bakterien im Dünndarm vermehren (sie müssen die Arbeit nachholen die im Magen nicht gemacht wurde).
 

So verändert sich nach und nach  - und manchmal sogar sehr schnell! die Bakterienzusammensetzung im Dünndarm - was ich an anderer Stelle noch einmal im Zusammenhang mit SIBO näher erläutern werde.

Und letztendlich ist ein sehr Großer und im Grunde sehr einfacher Hebel hier ist das gründliche Kauen

 

Probiere es einmal aus! Nimm dir ein paar Tage oder eine Woche und denke daran jeden Bissen mindestens 20 bis 30 mal zu kauen. Du wirst definitiv einen Unterschied bemerken -  ich freue mich auf deine Rückmeldung!


 

Sequentielles Essen – Ein Weg zu viel weniger Verdauungsproblemen 

 

Eine weitere, sehr einfache Methode gegen Verdauungsbeschwerden entwickelte Dr. Stanley Bass. Es ist die Methode des sequentiellen Essens. Dabei werden die einzelnen Lebensmittel einer Mahlzeit nicht mehr zusammen, sondern in einer bestimmten Reihenfolge hintereinander gegessen.  Oft verschwinden auf diese Weise lästige Verdauungsbeschwerden in wenigen Tagen und eine gesunde Verdauung stellt sich ein.

Kurz gesagt bedeutet das sequentielle Essen:  die Anwendung der richtigen Reihenfolge beim Essen. Bei dieser Form des Essens wird darauf geachtet, welche Verdauungszeit einzelne Lebensmittel haben und wie diese Verdauungszeit und das "gemeinsame" Essen verschiedener Lebensmittel, Verdauungsbeschwerden verursachen kann. 

 

Ursprünglich entwickelt wurde die Methode der sequentiellen Essens von Doktor Stanley Bass, einem Naturheilkundler, der an sich selbst Studien durchführte.

Nachdem er verschiedene Lebensmittel gegessen hatte, konnte er bei einer anschließenden Stuhluntersuchung feststellen, dass die Nahrung, die er aß, in seinem Verdauungstrakt nicht etwa, im Gesamten „vermischt" wurde. Nein, die Lebensmittel blieben exakt in der Reihenfolge - wie sie von ihm verspeist wurden - in verschiedenen Lagen liegen und wurden anschließend dann auch genau so verdaut. 

Nun zum Kernpunkt: Denn wir alle wissen ja auch, dank unseres „Bauchgefühls“ um die Verdauungs"Zeit“ verschiedener Lebensmittel. 
So brauchen bespielsweise Fleisch, Käse und Fette sehr viel länger bis sie vollständig verdaut sind als z.b. das meiste Obst, das oft in 30 Minuten verdaut ist. 

Angenommen, Du isst nach einer fettigen und eventuell fleischlastigen Mahlzeit, ein Stück wasserhaltiges Obst wie zum Beispiel Mango oder Melone – was passiert nun in deinem Darm, wenn das Obst erst nach dem Fleisch/Käse/Fett eintrifft? Sicherlich kannst Du dir das nun denken, denn jetzt entstehen Gärungen, Gase und Verdauungsprobleme, da das Obststück warten muss bis es „an der Reihe“ ist. 

Eine grundlegende Empfehlung ist also dich bei deiner Nahrungsaufnahme an der Verdauungs- Dauer deiner gegessenen Lebensmittel zu orientieren, um „Frieden“ im Bauch zu haben. 

Im Klartext: Es sollten die Lebensmittel zuerst gegessen werden, die auch am schnellsten verdaut werden. Lange und schwer verdauliche Lebensmittel sollten erst ganz zum Schluss an die Reihe kommen. 

 


Um dieses Konzept des sequentiellen oder geschichteten Essens zu vereinfachen, kann die Grundregel oder das Grundprinzip wie folgt formuliert werden: Iss das wässrigste Lebensmittel, also das Lebensmittel mit dem meisten Wassergehalt, zuerst.

Im Anhang findest du nun die Verdauungszeiten, also die ungefähre Verweildauer im Magen vor der Entleerung diverser Lebensmittel.

Wasser 

Wenn der Magen leer ist, verlässt das Wasser sofort den Magen-Darm Trakt.

Säfte 

Obstgemüse, Gemüsebrühe – 15 bis 20 Min. 

Halbflüssiges 

Püriertes Gemüse oder Obst, Fein pürierte Smoothies – 20 bis 30 Min. 

Früchte 

Wassermelone – 20 Min.
Cantaloupe-, Honigmelone usw. – 30 Min.
Orangen, Grapefruit, Weintrauben – 30 Min.
Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Kirschen in 40 Min. 

Gemüse 

Rohes gemischtes Salatgemüse – Tomaten, Salat, Gurken, Sellerie, rote oder grüne Paprika, anderes saftiges Gemüse – 30 bis 40 Min. 

Gedünstetes oder gekochtes Gemüse 

Blattgemüse – Endivie, Spinat, Grünkohl, Blattkohl etc. – 40 Min. Zucchini, Brokkoli, Blumenkohl, Buschbohnen, Kürbis – 45 Min. Wurzelgemüse – Karotten, Rüben, Pastinaken, Steckrüben etc. – 50 Min. 

Kohlenhydratreiches Gemüse – Stärken 

Topinambur & Blattgemüse, Eichel- & Butternusskürbis, Mais, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Yamswurzel, Kastanien – alles 60 Min. 

Konzentrierte Kohlenhydrate – Getreide 

Brauner Reis, Hirse, Buchweizen, Maismehl, Hafer (die ersten 3 Gemüsesorten sind am besten) – 90 Min. 

Hülsenfrüchte und Bohnen – (Konzentrierte Kohlenhydrate und Proteine) 

Linsen, Limabohnen, Kichererbsen, Erbsen, Straucherbsen, Kidneybohnen usw. – 90 Min, Sojabohnen – 120 Min. 

Samen & Nüsse 

Samen – Sonnenblume, Kürbis, Kürbiskerne, Sesam – ca. 2 Stunden.
Nüsse – Mandeln, Haselnüsse, Erdnüsse (roh), Cashewnüsse, Paranüsse, Walnüsse, Pekannüsse usw. – 2,5 bis 3 Stunden 

Milchprodukte

Magermilch, Hüttenkäse oder fettarmer Topfenkäse oder Ricotta – ca. 90 Min.
Vollmilch Hüttenkäse – 120 Min.
Vollmilch Hartkäse – 4 bis 5 Stunden 

Tierische Lebensmittel

Eigelb – 30 Min.
Ei (ganz) – 45 Min.
Fisch – Kabeljau, Dorsch, Flunder, Seezunge – 30 Min.
Fisch – Lachs, Lachsforelle, Hering (fetterer Fisch) – 45 -60 Min.
Huhn – 1,5 bis 2 Stunden (ohne Haut
Truthahn – 2 bis 2,5 Stunden (ohne Haut)
Rind, Lamm – 3 bis 4 Stunden
Schwein – 4,5 bis 5 Stunden 

 


GRUNDZWECK IST ENERGIESPAREN 

Dr. Bass führte an, dass der allerwichtigste Faktor für die Wiederherstellung der Verdauungs - Gesundheit die Energie ist und dass diese Unbedingt  erhalten bleiben muss und nicht durch erschwerte Bedingungen bei der Verdauung verschwendet werden darf. 

Sequentielles Essen unterstützt und maximiert die Energieeinsparung. 

Probiere es gerne aus. Ich freue mich auf deine Rückmeldung! 

Wenn nichts mehr geht, hilft dir das garantiert